Plainfeld. Freitag, 09:00 Uhr – der Wecker läutet – niemand rührt sich – alle sind k.o.! Was war das für ein heftiger erster Festivaltag? Auf der einen Seite eine komplett eskalierende Partymenge und fette Beats, auf der anderen Seite Mutter Natur und gewaltige Wassermassen, denen sich nichts und niemand in den Weg stellen kann.

Nach einem harten Kampf zwischen Geist und Körper gelingt es uns schließlich, uns im Trancezustand ins Bad und in weiterer Folge zum Frühstück zu schleppen. Warum alle so müde sind? Tja, das wissen wir leider selbst nicht so genau – wohl die Folge der nächtlichen Party, der langen Märsche über das Areal und des ständigen Kampfes mit dem Regen.

Das Verfassen und Uploaden des täglichen Tagebucheintrages geht eigentlich ziemlich flott vonstatten, viel schwieriger gestaltet sich das Trocknen der komplett durchnässten Kleidung. Nach über einer halben Stunde Schuhe föhnen machen wir uns dann wieder auf den Weg zum Festival.

Im Gegensatz zu gestern scheint der Wettergott heute gnädig mit uns zu sein, bis auf einen kurzen einstündigen Schauer hält das Wetter bis zum Closing der Mainstage durch. Perfekte Voraussetzungen also für die Eröffnung der zweitgrößten Stage, der Q-Dance-Stage, wo hauptsächlich die Hardstylefans auf ihre Kosten kommen.

Einer der Acts dort: Sound Rush. Das niederländische Zwillings-Duo ist mittlerweile fixer Bestandteile in der Hardstyle-Szene u. a. auch, weil sie sich nach ihrem Auftritt noch einige Minuten Zeit nehmen und jeden Autogramm- bzw. Fotowusch aus der Frontrow erfüllen. Auch wir treffen die beiden sympathischen Jungs backstage zum kurzen Smalltalk und Autogrammeschreiben.

Danach setzt wieder der Regen ein. Gemeinsam mit einigen anderen Schülern der HAK Steyr, deren wir dieses Wochenende übrigens schon einige getroffen haben, suchen wir Schutz in der Alm. Häh, eine Alm auf einem EDM-Festival? Ja, richtig gelesen. Vermutlich einzigartig auf der Welt setzt der Veranstalter auch dieses Jahr wieder auf eine zweistöckige Holzhütte, in der hauptsächlich „traditionelle Stimmungsmacher der nicht-EDM-Industrie“ gespielt werden und zeitweise richtiger Après-Ski-Flair aufkommt.

Was uns heute besonders auffällt, sind die vielen Flaggen und Nationalitäten der Electric Lovers. Einer tschechischen Völkerwanderung folgt ein adretter Junger Mann aus Amsterdam, der uns beiläufig erklärt, dass wir keine Fotos von ihm machen dürfen, weil er offiziell im Krankenstand ist – was tut man nicht alles, um hier dabei zu sein? Aus insgesamt über 60 Nationen pilgern die Besucher hier an den Salzburgring, so auch ein junger Mann aus Spanien, der uns mit seiner Handpuppe „Sebastian dem Dinosaurier“ (Instagram: @sebastianvadefesti) bekannt macht.

Musik gespielt wird heute übrigens auch noch. Ofenbach (Stichwort „Katchi), Ummet Ozcan, W&W und Marshmello bringen die gut 40.000 auf der Mainstage so richtig auf Betriebstemperatur – sie alle dienen aber eigentlich nur als Vorbereitung auf den Act des Tages.

Um exakt 01:01 Uhr betritt ein gewisser Armin van Buuren die Bühne. Geboren am 25. Dezember 1976 in Leiden in den Niederlanden begeistert der „Gott der Trance Musik“ nun schon seit vielen, vielen Jahren die Massen und genießt in EDM-Kreisen mittlerweile Legendenstatus.

Während seiner einstündigen Show gibt er sowohl alte Klassiker wie „Heading Up High“ oder die letztjährige inoffizielle ELF-Hymne „Great Spirit“, aber auch brandneue Songs wie „Blah, Blah, Blah“ zum Besten – die Menge dankt es ihm mit tosendem Applaus, stets begleitet von atemberaubenden Pyroeinlagen, die den Salzburger Nachthimmel zum Glühen bringen.

Um 02:00 Uhr ist dann Schluss auf der Mainstage. Während viele noch im Club Circus zu den Klängen von Rudimental bis in die frühen Morgenstunden weiterfeiern, macht sich die Mehrheit und so auch wir auf den Heimweg, der diesmal absolut kein Zuckerschlecken ist, denn der Regen hat jetzt wieder richtig Lunte gerochen. Das Ganze geht dann sogar so weit, dass die Wiesenparkplätze kippen und der Veranstalter alle Gäste ersucht, mit ihren Autos auf den Parkplätzen stehen zu bleiben, damit sich die Situation nicht noch weiter verschlechtert. Wer sich nicht daran hält, der muss wohl oder übel die herbeigeeilten Traktoren mit ihren Abschleppgurten um Hilfe bitten – von alleine gibt es hier nämlich kein Entrinnen.

Über Stock und Stein, ankämpfend gegen den entgegenkommenden Wildbach quälen auch wir uns raus aus dem Areal, um dann auf der Bundesstraße erst recht stehen zu bleiben. Menschen die mitten auf der Straße zum Schmusen anfangen, Öffifahrer die kreuz und quer über die Fahrbahn laufen und Taxifahrer die kurzerhand sämtliche Regeln der Straßenverkehrsordnung außer Kraft setzen – es war wahrlich kein einfaches Unterfangen, aber nach 1 ½ Stunden haben wir es schließlich geschafft und sind wohlbehalten im Hotel angekommen. Müde, erschöpft, aber trotzdem voller Motivation für das morgige Grande Finale…