Wie die meisten Schülerinnen und Schüler der Handelsakademie Steyr lege ich meinen täglichen Schulweg, zumindest zum Teil, mit einem Bus zurück. Auf diese Weise pendle ich schon seit über 5 Jahren nach Steyr und danach wieder zurück in das kleine und unbekannte Nestchen Laussa, welches ich mein Zuhause nennen darf. Auch davor war ich schon auf den Bus angewiesen, um sowohl in die Volkschule, als auch später in die Hauptschule zu gelangen.

Bei den vielen hunderten Kilometern die ich auf diese Weise schon zurückgelegt habe, wundert es wohl kaum, dass ich die ein oder andere verrückte Kuriosität erlebt habe. In Erinnerung ist mir beispielsweise geblieben, wie ein junger Busfahrer laut lachend und voller Freude einen, um wenige Sekunden zu spät gekommenen Schüler, zurückgelassen hat, mit dem er zuvor schon einige Diskussionen führte. Auch der ältere Busfahrer, der vergnügt den Volkschulkindern neben ihm auf die Schenkel geklopft hat, wird mir voraussichtlich immer in Erinnerung bleiben.

Den Vogel endgültig abgeschossen hat jedoch eine der neueren Busfahrerinnen, die die Strecke zwischen Laussa und Losenstein abdeckt. Diese Busfahrerin ist mir vorab schon bekannt gewesen und sie verhielt sich von Anfang an ein wenig suspekt. Prinzipiell ist eine etwas seltsame Art kein Grund jemanden feindselig gegenüberzutreten, jedoch hat diese mehr gemacht, als einfach nur seltsame Selbstgespräche zu führen.

Seit einiger Zeit hat sie angefangen die Schüler, die auf den Bus warten, nicht einsteigen zu lassen. Zumindest nicht so lange bis der andere Zug angekommen ist, auf den sie auch warten muss. So kam es jetzt schon öfters zu der seltsamen Situation, in welcher Schüler nur 5 Metern neben dem Bus im Regen standen, der für die nächsten 10 Minuten die Türen verschlossen hielt. Als ob das nicht schon schlimm genug wäre, gilt diese Regel nur für Jugendliche, jedoch nicht für andere Fahrgäste die unbekümmert einsteigen dürfen.

Am Montag, den 3. Februar, ist genau dies wieder passiert. Ich war auf der gesamten Fahrt der einzige Fahrgast. Als mein Zug um 14:17 am Bahnhof einfuhr stand ich wie so oft vor einer verschlossenen Bustür und konnte durch die Schreiben die Busfahrerin beim Handyspielen beobachten. Nach einer halben Ewigkeit, in der die Nieseltropfen meine gesamte Brille überzogen hatten, öffnete sie endlich die Türen.

Genervt stieg ich in den Bus und ohne ein Wort der Begrüßung setzte ich mich auf einen der Plätze. Die Fahrt verlief in den ersten Minuten ganz normal. Da wir bei keiner Haltestellen stehen blieben waren wir deutlich über der Zeit. Diese Situation ist nun schon häufiger eingetreten und die meisten Busfahrer lösten das Problem einfach damit bei einer leeren Bushaltestelle stehen zu bleiben. Die Busfahrerin fand jedoch einen anderen Stehplatz um die Zeit verstreichen zu lassen.

Sie entschied sich einfach mitten auf der Hauptstraße den Bus zu stoppen. Ich war über diese Aktion natürlich mehr als verwundert. Direkt in einer schlecht einsehbaren langgezogenen Linkskurve kam der Bus zum Stehen. Für einige Augenblicke sah ich mich um und versuchte das Problem für den plötzlichen Stopp zu finden. Auf einmal begann die Busfahrerin ihr Fenster runter zu lassen und holte ihr Handy aus der Tasche. Mit großer Verwunderung beobachtete ich wie sie begann, den durch die Regenfälle stark vergrößerten, Wasserfall zu fotografieren. Während der kurzen Fotosession fuhren die Autos knapp neben uns vorbei.

Nach etwa einer halben Minute ließ sie wieder die Fenster hoch und begann sich die Aufnahmen des Naturschauspiels anzusehen. Nachdem sie, sichtlich zufrieden mit dem Ergebnis wieder das Handy wegpackte, setzte sie die Fahrt wieder fort. Als ich dann bei meiner Haltestelle den Bus verlassen wollte, öffnete sie mit Absicht die hintere Türe, um mich so durch den ganzen Bus zu jagen.

Diese Busfahrt war die mit Abstand kurioseste in meinem Leben und ich hoffe, dass sich kein Chauffeur daran machen will diese Fahrt noch einmal zu toppen.